Die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie bemühen sich, die Interaktion zwischen sozialen und natürlichen Systemen als deren Koevolution theoretisch und methodisch fundiert zu beschreiben.

Den Kern einer sozial-ökologischen Theorie bilden die Konzepte "Gesellschaftlicher Metabolismus" und "Kolonisierung natürlicher Systeme." Darin verbinden sich Vorstellungen aus den verschiedensten Wissenschaftstraditionen - Biologie, Soziologie, Ökonomie, Technik, Geschichte, Geografie und Kulturanthropologie - zu einer kohärenten Sichtweise der Gesellschaft-Natur-Beziehung.

Diese Sichtweise bringen die Forscherinnen und Forscher des Instituts für Soziale Ökologie ein bei der konzeptuellen wie praktischen Entwicklung von Informationssystemen für die Umweltfolgen menschlichen Handelns ("pressures upon the environment"), und sie leitet unsere Forschung zu ökologischen und sozio-ökonomischen Aspekten nachhaltiger Entwicklung im lokalen, nationalen und globalen Maßstab.

Das Methodenspektrum erstreckt sich von Material- und Energieflussanalysen (MFA und EFA) und auf GIS und Fernerkundung basierten Verfahren über systemische Akteurs- und Organisationsanalysen bis zur Arbeit mit historischen Quellen. Zunehmend werden auch Modellierungsverfahren zur Datensimulation, zur synthetischen Präsentation von Ergebnissen und als Grundlage für Szenarios benutzt. Ermöglicht wird dies durch eine stabile interdisziplinäre Kooperationskultur und intensive Teamarbeit.

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Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2018-09-01 - 2021-08-31

Die Menge der global gehandelten Güter wächst rasant an, das gilt auch für land- und forstwirtschaftliche Produkte wie Nahrung, Bioenergieträger und Holzprodukte. Die Umweltauswirkungen unseres Konsums geraten dadurch zunehmend aus unserem Sichtfeld. Landnutzungsänderungen, wie beispielsweise die Rodung von Wäldern für den Anbau von Feldfrüchten, setzen Kohlenstoff in die Atmosphäre frei, bzw. können ihn auch wieder binden (z.B. durch Aufforstung). Global tragen Landnutzungsänderungen noch immer rund 10% zu den jährlichen Treibhausgasemissionen bei, in tropischen Ländern sind sie oft größer als Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger. Für die Eindämmung des globalen Klimawandels sind Emissionsreduktionen unerlässlich. Die Eliminierung von Emissionen durch Landnutzungswandel wird dabei oft als besonders kostengünstig und vielversprechend angesehen. Dazu können sowohl produktionsseitige (z.B. Abholzungsverbote) als auch konsumseitige Maßnahmen (z.B. Änderung der Menge, der Herkunft oder der Qualität konsumierter Nahrung) zielführend sein. Allerdings fehlen global Bilanzen, die eindeutige Verbindungen zwischen konsumierten Produkten und Kohlenstoffemissionen durch Landnutzungswandel herstellen (für Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger sind vergleichbare Bilanzierungen vorhanden). CoBALUCE zielt darauf ab, Bilanzierungstechniken für Emissionen durch Landnutzungswandel zu entwickeln und auf globaler Ebene anzuwenden. Ziel ist dabei, 80-90% der globalen landbezogenen Kohlenstoffemissionen dem Konsum einzelner land- und forstwirtschaftlicher Produkte zuzuordnen. Dazu werden detaillierte Informationen über bilaterale Handelsverflechtungen mit räumlich expliziten Information zu Landnutzung und Landnutzungswandel verbunden. Eine mindestens drei Jahrzehnte umfassende Zeitreihe soll rezente Entwicklungen abbilden. Ob Landflächen Kohlenstoff binden oder emittieren, hängt zum Teil auch von ihrer Landnutzungsgeschichte ab. Eine Herausforderung ist es daher, die Kohlenstoffemissionen, die heute durch vergangene Landnutzung hervorgerufen werden („legacy effects“), von den Effekten gegenwärtiger Landnutzung zu trennen. Im Forschungsprojekt werden verschiedene Mechanismen, wie die Emissionen den einzelnen Produkten zugeschrieben werden können, entwickelt und getestet und in Workshops mit ausgewiesenen internationalen Experten und Expertinnen diskutiert. Die entwickelten Datenbanken können eine robuste Entscheidungsgrundlage bei der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Bekämpfung des globalen Klimawandels bieten. So bilden sie beispielsweise ab, welche Länder – aus einer Umweltperspektive – überproportional durch internationalen Handel profitieren und in welchen Ländern das Gegenteil der Fall ist.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2018-04-01 - 2021-03-31

Das Verbundprojekt analysiert und entwickelt Governance-Optionen für eine klimaresiliente und nachhaltige Gestaltung regionaler Energietransformationen. Der Transformationstreiber für die Untersuchungsregion ist die geplante Integration nicht genutzter Biomasse und industrieller Abwärme in lokale Energiekreisläufe. Im Abfall-­ und Energiemanagement kommunaler und privater Akteure fallen Nebenprodukte an, deren Nutzung für eine dezentrale Energiewende Optimierungspotenzial hat. Das Verbundprojekt entwickelt Entscheidungshilfen, um diese Energiepotenziale ökologisch und ökonomisch nachhaltig für die Nahwärme-­ und Stromversorgung einsetzen zu können. Hierbei erfolgt eine umfassende Berücksichtigung gesellschaftlicher, ökologischer, ökonomischer, organisatorischer, regulatorischer und technischer Aspekte. Die angestrebte Energiewendeinnovation des Verbundvorhabens zielt zusätzlich auf die Biomasseproduktion an Standorten, die nicht oder nur eingeschränkt für den Anbau von Lebens-­ bzw. Futtermitteln geeignet sind. Für diese Potenzialanalyse sind vielfältige Faktoren der Integration unterschiedlicher Materialien und deren saisonale Bereitstellung zu untersuchen. Anschließend an die Forschungsphase wird eine Umsetzungsphase angestrebt, in der das Potenzial-­ und Handlungswissen für lokale Energietransformationen angewandt werden soll.
Forschungsprojekt aus §26 oder §27 Mitteln
Laufzeit : 2018-06-27 - 2019-09-26

Im Rahmen der Materialflussanalyse fokussieren wissenschaftliche Arbeiten derzeit auf die Berechnung des konsumbasierten Materialverbrauchs basierend auf den Rohmaterialäquivalenten (oder vorgelagerten Materialflüssen) von Importen und Exporten. Die Methodenentwicklung ist schon weit fortgeschritten und viele empirische Arbeiten zum Rohmaterialverbrauch oder Material Footprint wurden in den letzten Jahren veröffentlicht. Für Österreich hat das Institut für Soziale Ökologie ein hybrides Input-Output (IO) Modell kombiniert mit LCA Koeffizienten für die Jahre 1995-2015 entwickelt. Die Ergebnisse wurden mit jenen aus multi-regionalen IO Modellen (MRIO) und aus dem Eurostat RME tool verglichen, die treibenden Kräfte analysiert (Dekompositionsanalyse), und in eine Reihe von konzeptuellen Arbeiten die Auswirkungen monetärer IO Tabellen auf die Berechnung physischer Indikatoren untersucht. Im aktuellen Projekt ÖRME9 wird der Rohmaterialverbrauch nun entlang der Nachfragekategorien genauer untersucht, die Evaluation der Ressourcenproduktivitätsindikatoren weiter vorangetrieben, und in einer Kooperation mit Statistik Austria die Umsetzung der MFA- inklusive der RME-Berechnung diskutiert und evaluiert.